BUND Kreisgruppe Krefeld

Baum AG gegründet

Wie geht es unseren Bäumen in Krefeld?

Bericht vom Rundgang am 05.06.2021

die Reihenfolge der Fotos entsprechen dem Ablauf des Rundgangs

Am 05.06.2021 trafen sich um 14:00 Uhr 6 Mitglieder des BUND Krefeld zu einem Rundgang durch einige Straßen von West bis Mitte, um sich die Situation des Baumbestandes vor Ort einmal anzusehen.

Als fachliche Teilnehmer waren Heino Thies und Uwe Wolniewiez mit dabei. Begonnen haben wir am Hammerschmidtplatz. Dort haben wir die Kugelahorne in Augenschein genommen. Wir stellten fest, dass sie die letzten Jahre der Dürre doch ganz gut überstanden hatten, allerdings sahen wir, dass an einigen Bäumen doch einiges nicht so in Ordnung war, es gab Schäden an den Stammfüßen, verursacht von Großflächenmähern wie auch an einem halb abgestorbenen Kugelspitzahorn, der einen nicht fachgerechten Rückschnitt erhalten hat, die ZTV (Zusätzlich Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege) ist wohl nicht bekannt.

Weiter ging es dann über den Hagerweg. Dort stehen ca. 80 bis 100 Jahre alte amerikanische Eichen (schätzen wir), welche auch in den letzten Jahren bei der Dürre gelitten haben, sie zeigen einiges Totholz auf. Was aber doch positiv war: Es gab Nachpflanzungen auf dieser Straße, leider war jedoch der Pflegezustand der Jungbäume keineswegs in Ordnung. Einer der Jungbäume wies keinen Lichtraum weder zur Straße 4,5 m noch zum Fußweg 2,5 m auf, welchen man doch eigentlich im Abstand von 2 - 3 Jahren immer wieder auf das erforderliche Maß hätte erreichen können, denn je größer der Abstand der Maßnahmen, desto größer die Wunden, welche der Baum dann erleiden muss.

Ein anderer Jungbaum, der nachgepflanzt wurde, hat großen Schattendruck, so dass er nun leider schon schräg wachsen muss. Das wurde vom KBK (Kommunalbetrieb Krefeld) offenbar nicht bedacht.

Weiter ging es in die längste und größte Ginkgo Allee Krefelds, die Prinz-Ferdinand-Straße.

Leider mussten wir dort feststellen, dass selbst die Ginkgos dort die letzten Dürre-Sommer nicht vertragen haben, sie zeigten sehr viel Totholz im Fein- bis zum Grobastbereich auf, und wir haben die Befürchtung, dass dort in der nächsten Zeit doch einige Bäume absterben und gefällt werden müssen. Womöglich werden dann keine nachgepflanzt, wie dies im gesamten Stadtgebiet an den vielen Baumstümpfen in Krefeld zu sehen ist. Wenn man jedoch die sehr kleinen Baumscheiben sieht und die mit einer Teerschicht versiegelten Flächen zwischen den Bäumen, wäre den meisten Bäumen vielleicht doch noch zu helfen, wenn man eine Entsiegelung vornehmen würde.

Was uns auch noch auffiel, waren die großen Sträucher (Kirschlorbeer), welche den Bäumen dort noch zusätzlich das Wasser streitig machen. Wir fragen uns, warum diese Großsträucher nicht vom KBK entfernt werden, damit die Bäume dort den ihnen zustehenden Raum auch zur Verfügung haben.

Weiter ging es dann in die Lindenstraße. Dort sahen wir einen erschreckenden Pflegezustand der Bäume. Die Linden hatten wohl noch nie einen Fachmann gesehen. Sie hatten kein Lichtraumprofil weder auf der Straße 4,5 m noch auf dem Bürgersteig 2,5 m. Die Linden hatten in großen Teilen die Fassaden der Häuser schon vor längerer Zeit erreicht und rieben bei Wind über die Fassaden. An einigen Bäumen Ecke Dreikönigenstraße wurde an einer Linde dilettantisch eine Teileinkürzung von Ästen über der Straße vorgenommen. Auch an dieser Ecke stehen 3 Weißdornbäume, die ein Martyrium durchgemacht haben müssen.

Schließlich kamen wir am Westwall an und sahen uns die Linden dort auf den Parkflächen an. Die meisten Linden zeigen jetzt schon eine Vergreisung an, obwohl sie dort gerade mal ungefähr 30 Jahre stehen. Die meisten Linden haben auch Totholzbildung im Fein- bis Grobastbereich wie auch absterbende Kronen. Dies ist wohl durch die kleinen Baumscheiben, der Hitze im Sommer und auf Wassermangel zurückzuführen. Dass diese Flächen dort großflächig versiegelt sind und als Parkraum dienen, ist in Anbetracht des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß.

Unser letzter Baum, den wir begutachtet hatten, war die Platane vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum. Sie zeigt die gleichen Anzeichen wie viele Bäume in unserer Stadt. Das Blattvolumen hat die Platane reduziert, um weniger Wasser zu brauchen. Sie hat im Feinholzbereich sehr viel Totholzbildung.

Uns stellt sich die Frage, wie möchte unsere Stadt und der KBK mit unseren Bäumen weiter umgehen? Die Pflege ist - falls überhaupt vorhanden - in großen Teilen eine Katastrophe. Die unzähligen Baumstümpfe und leeren Baumscheiben zeigen, dass wenn es so weitergeht, wir eine Stadt ohne Bäume haben werden. Mit dem Klimawandel kommen heißere und trockenere Sommer auf uns zu.

Umso wichtiger ist es, nicht nur für insgesamt mehr Grün in der Stadt zu sorgen, sondern darüber hinaus auch die Bäume nachzupflanzen, die gefällt wurden, das geschieht offenbar nicht in dem Maße, wie es die Pflicht der Stadt wäre.

Uwe Wolniewiez
LWK zertifizierter Baumkontrolleur
AG Baum BUND Kreisgruppe Krefeld

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Nächster Rundgang: Schönwasserpark

am Sa. 03. Juli 2021 ab 14 Uhr

Wir treffen uns vor Haus Schönwasser - zu erreichen mit der 044 Haltestelle Botanischer Garten
Gäste, die uns begleiten möchten, sind herzlich willkommen!