BUND Kreisgruppe Krefeld

Krefelder Stadtplanung

Städte entwickeln sich mit der Zeit, so auch Krefeld. Bei Stadtplanungen sollten verschiedene Fachtoren mit eingeplant werden, so auch der Naturschutz. Denn nur eine grüne Stadt ist eine lebenswerte Stadt.

Surfpark Elfrather See

Antwort der Regierungspräsidentin vom 4.11.20 auf unser Schreiben vom 8.10.20

Sehr geehrte Frau Horster,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 08. Oktober 2020 bezüglich einer Planung der Stadt Krefeld im Erholungsgebiet Elfrather See. Hier äußern Sie Bedenken, insbesondere hinsichtlich des Umwelt- und Klimaschutzes, zum Entwurf eines Surfparks mit weiteren Sportstätten, Gastronomiebetrieben und einem Campingplatz.

Die von Ihnen beschriebene Planung liegt bei der Bezirksregierung Düsseldorf zur Änderung des Flächennutzungsplans vor. Parallel dazu wird zeitnah ein Regionalplanänderungsverfahren eingeleitet.
Ihre vorgetragenen Hinweise werden im Rahmen dieser Verfahren berücksichtigt. So werden alle Umweltbelange in einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) geprüft und im Umweltbericht dargelegt.

Weiterhin wird im Verfahren zur Regionalplanänderung der Öffentlichkeit sowie den in ihren Belangen berührten öffentlichen Stellen (u.a. die
angrenzenden Kommunen und die Umweltverbände) Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.

Der NABU erhält ein gleichlautendes Schreiben.
Mit freundlicheo Grüßen
Birgitta.Radermacher
brd.nrw.de

BUND und NABU zum geplanten Surfpark Elfrather See

Schreiben an die Regierungspräsidentin vom 08.10.2020

An die
Regierungspräsidentin des Bezirkes Düsseldorf
Frau Birgitta Radermacher
Cecilienallee 2
40474 Düsseldorf

Planung der Stadt Krefeld eines Surfparks im Erholungsgebiet Elfrather See

Sehr geehrte Frau Radermacher,

die Stadt Krefeld plant im Erholungsgebiet Elfrather See einen sog. Surfpark mit weiteren Sportstätten, Gastronomiebetrieben und einem Campingplatz (B-Plan 836).
Aus Sicht des Umwelt- und Klimaschutzes kommen erhebliche Bedenken zu dem Vorhaben auf, u.a. in Bezug auf folgende Punkte:

a. Natur
Im derzeitigen Regionalplan ist der Elfrather See Teil des Gebiets „Naherholung Krefelder Norden", welches, wie der Name bereits erwähnt, der Naherholung aber auch der Biotopvernetzung dient. Er liegt mitten im Regionalen Grünzug (RGZ) und grenzt an den allgemeinen Freiraum- und
Agrarbereich. Durch die Anlage des Surf-Parks kommt es zu einem Eingriff in den RGZ.

Es handelt sich bei dem See um ein gesetzlich geschütztes Biotop (nach § 30 BNatSchG und § 42 LNatSchG NRW). Bezüglich der Artenvorkommen, lässt sich festhalten, dass in unmittelbarer Nähe des geplanten Surfparks planungsrelevante Arten als Brut- und Rast-Vögel vorkommen. (Meldungen aus 2018/2019: Brutvögel: Bluthänfling, Flussregenpfeifer, Kiebitz, Mäusebussard, Nachtigall, Star,
Teichrohrsänger, Turmfalke, Turteltaube; Brutverdacht: Baumfalke, Eisvogel, Habicht, Kuckuck, Sperber, Uferschwalbe; Rastvögel: Flussuferläufer, Gänsesäger, Kampfläufer, Kormoran, Krickente, Pfeifente, Schellente, Schnatterente, Tafelente, Zwergtaucher) Auf der Insel, die im Norden unmittelbar an das überplante Gebiet angrenzt, befindet sich ein regelmäßig besetzter Brutplatz (mit Reproduktionserfolg) von Kiebitzen und in diesem Jahr auch vom Flussregenpfeifer.
Für diese Arten gelten nach LANUV-Vorgaben spezielle Anforderung an Artenschutzmaßnahmen, wie u.a. die Sicherstellung einer ausreichenden Entfernung des Standorts zu potenziellen Stör- und Gefahrenquellen, sowie die Beachtung einer ausreichenden Störungsarmut bezüglich
Erholungsnutzung.

b. Gewässer
Wir befürchten durch die zusätzliche Versiegelung noch weniger Grundwasserzufluss. Dürre und hohe Entnahmemengen durch Industrie, Gewerbe und Trinkwassergewinnung sorgen bereits jetzt für eine reduzierte Neubildung des Grundwassers. Dies wiederum senkt den Wasserspiegel des
Elfrather Sees weiter.
Zudem ist eine Vermischung mit dem Wasser des Elfrather Sees angedacht, obwohl das Wasser der Surfanlage aus hygienischen Gründen chloriert werden soll. Hier darf es keine Selbstgenehmigung der Stadt für solche Einleitungen geben.

c. Lärm
Nicht nur durch den Lärm der Wasseranlage selbst würde es zu Störungen der Erholungsfunktion kommen, sondern auch durch den dadurch verstärkten Tourismus bzw. das erhöhte Verkehrsaufgebot.
Der bereits vorhandene Lärm durch die A 57 sorgt für eine hohe Belastung der natürlichen Umwelt und der Anwohner in Elf rath und Moers.
Einzelne Freizeit- und Sportaktivitäten mit hohem Lärmaufkommen durch Musikbeschallung und Events verstärken diese hohe Lärmbelastung der Anwohner der Rather Straße, des Reitweges und der Asberger Straße. Dies steht im Konflikt mit dem Erholungsziel.

d. Klima und Ressourcen
Das Vorhaben bedarf hohen Strom-, Wasser- und Flächenverbrauches. Das wirkt sich schädigend aufs Klima aus. Es ist auch mit einem hohen Verkehrsaufkommen nicht nur an Rather Straße und Reitweg, sondern auch in der näheren Umgebung zu Rumeln und Vennikel rechnen, das mit entsprechender Erhöhung der Abgasemissionen einhergeht. 
Es wird von 200.000 Besuchern ausgegangen, die die vorhandene Infrastruktur überfordern. Dies bedeutet erhebliche Investitionen und Veränderungen an der Infrastruktur inkl. ÖPNV, die ihrerseits wieder Auswirkungen auf die Umwelt und den Ressourcenverbrauch haben.

Wir befürchten, dass mit der Unterschreitung der 10ha-Schwelle eine Regionalplanänderung und vor allem eine strategische Umweltprüfung (SUP) umgangen werden soll. Wenn dann spätere Erweiterungen dazu kommen, ist der Schaden für die Umwelt bereits vorhanden.
Auch gehen wir davon, dass die bisher angegebenen Flächen nicht vollständig sind und dieses Projekt nur wirtschaftlich darstellbar ist, wenn es eine überregionale Bedeutung hat. Damit steht es aber auch in Konkurrenz zu Freizeit- und Erholungsparks in der regionalen Umgebung.
Die zusätzlichen Belastungen sind mit den Festsetzungen und Zielen des Umweltschutzes und auch des Regionalplans nicht vereinbar und erfordern daher unseres Erachtens nach eine Ablehnung. 

Wenn eine Ablehnung dieses Vorhabens aus Sicht des Regionalplans nicht schon aus den o.g. Gründen möglich ist, bitten wir Sie um

  • die Durchführung einer SUP sowie
  • die frühzeitige Beteiligung der Umweltverbände und
  • die Beteiligung der Stadt Duisburg inkl. Moers und Rurneln -Kaldenhausen


Mit freundlichen Grüßen
Angelika Horster
BUND Kreisgruppe Krefeld
Prinz-Ferdinand-Str.122, 47798 Krefeld
angelika.horster@bund.net

Michael MüllerSprecher der OG Krefeld
im NABU-Bezirksverband Krefeld/Viersen
Talring 45, 47802 Krefeld
michael.mueller@nabu-krefeicl-viersen.de
 


 

Zur Entwicklung der Krefelder Innenstadt schlägt der BUND Krefeld folgende Maßnahmen vor:

  1. Dem ÖPNV sollte Vorrang eingeräumt werden. Gerade durch die Nähe zum Ostwall bietet sich die Innenstadt zur Nutzung des ÖPNV an. Damit würde sich auch der Druck durch den Verkehr entspannen.
  2. Die Beibehaltung und Schaffung von Einbahnstraßen und Sackgassen und die konsequente Freihaltung der Schienenwege von Individualverkehr und Linksabbiegern würden den ÖPNV konkurrenzfähiger machen hinsichtlich der Fahrtzeiten und Pünktlichkeit, gleichzeitig aber auch Bereiche z. B. für Spielstraßen und leise, unentgeltliche Freizeitbeschäftigungen (Boule etc.) schaffen.
  3. Wir sehen beim Einzelhandel den starken Konkurrenzkampf zum Onlinehandel, aber auch untereinander. Ein Weniger an Geschäften könnte den Druck nehmen, gleichzeitig würde mehr Raum für qualitativ und ökologisch hochwertige Produkte, für Kleinhandwerk und Wohnen frei.
  4. In keinem Fall darf die erneute Öffnung für den KFZ-Individual-Verkehr in Fußgängerzonen erfolgen. Dies wäre nicht nur rückständig, sondern angesichts der hohen Luft- und Lärmbelastung in der Innenstadt und der erwiesenen Klimaschädlichkeit der fossilen Energieträger, mit denen diese Fahrzeuge angetrieben werden, nicht zu vertreten.
  5. Fahrzeuge, die in die Innenstadt wollen, sollten gezielt zu Parkhäusern oder Anwohnerparkplätzen geleitet werden. Denn wer mit einem KFZ, insbesondere einem SUV oder Kleinbus in die Innenstadt fährt und vor den Geschäften einen Parkplatz beansprucht, nimmt Raum für Kleinfahrzeuge (Fahrräder, Kinder-wagen, Rollatoren, Scooter, Segways etc.) und Fußgänger in Beschlag, stellt ein Sicht- und Lichthindernis sowie einen überdimensionalen Gefahrenpunkt dar und offenbart so das soziale Ungleichgewicht.
  6. Die Parkhäuser könnten gegen eine Leihgebühr Fahrräder, Golfwagen, Fahrrad-Rikschas, Elektromobile oder Rollatoren anbieten. Dies würde auch Arbeitsplätze schaffen.

So könnte der Besuch der Innenstadt zu einem richtigen Event werden, ohne dass er tagsüber und nachts zu weiterer Erhöhung der Luft- und Lärmbelästigung führt.


Die aktuellen Meldungen und Stellungnahmen zu Stadtplanungen in Krefeld.

Bauleitplanverfahren der Stadt Krefeld

Aktuelle Bebauungspläne und Flächennnutzungsplanänderungen bei denen sich die Öffentlichkeit, wie zum Beispiel ein anerkannter Naturschutzverein, wie der BUND, sich beteiligen kann, hat die Stadt online auf ihrer Homepage zusammengefasst. Mit Hilfe dieser Liste kann man auf dem aktuellen Stand von Bauplanungen bleiben.

Stadt Krefeld: Bauleitplanverfahren


 

Änderungen des Flächennutzungsplan

Auch für Grünflächen und deren Erhalt müssen Konzepte erstellt werden. Auch für Grünflächen und deren Erhalt müssen Konzepte erstellt werden.  (geralt/Pixabay)

Bei Planungen zur Änderung des Flächennutzungsplans in Krefeld setzt sich die BUND Kreisgruppe für folgende Belange ein:

  • Schonung der Ressourcen Wasser, Boden, Luft
  • Erhalt geeigneter Lebensräume für Tiere und Pflanzen
  • Erhalt der Erholungsräume für den Menschen
  • Flächenrecycling / Wiederverwendung brachgefallener Gewerbebetriebe / Wohnbauflächen
  • Verdichtung innerstädtischer Flächen statt Landschaftsverbrauch, - Erhaltung der bereits festgesetzten Landschaftschutzgebiete

Im Baugesetzbuch (BauGB) (5 Absatz 1) ist zu lesen:

"Im Flächennutzungsplan ist für das ganze Gemeindegebiet die sich aus der beabsichtigten städtebaulichen Entwicklung ergebende Art der Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürfnissen der Gemeinde in den Grundzügen darzustellen."

Die "voraussehbaren Bedürfnisse der Gemeinde" sind auch Bedürfnisse der Naherholung inkl. Grünflächen sowie die Verbessung der klimatischen Bedingungen, die besonders durch Grünflächen (vertikal und horizontal) in einer Stadt gefördert werden.


 

Regionalplan

Der Regionalplan der Bezirksregierung Düsseldorf (Fortschreibung per 13.11.2017) ist die dem Flächennutzungsplan übergeordnete Flächenplanung. 

Das Landesbüro der Naturschutzverbände erarbeitet gemeinsam mit den betroffenen Kommunen die Stellungnahmen aus ökologischer Sicht.

Kaum hat der Regionalplan für die Planungsregion Düsseldorf (RPD) Rechtskraft erlangt, geht es schon an die erste Überarbeitung und das zu Lasten des Freiraumes. Die Vorschläge sind verheerend und werden unsererseits abgelehnt! Eine Stellungnahme erfolgt noch.

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